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Freie Brauer für Mehrweg und gegen Agrarpreisspekulationen

Freie Brauer für Mehrweg und gegen Agrarpreisspekulationen

Die Freien Brauer, ein Verbund von 38 unabhängigen Familienbrauereien, sind überzeugt: Qualität und Umweltbewusstsein gehören zusammen. Gemäß ihren Sieben Werten setzen sie sich sowohl für “Höchste Qualität“ als auch für eine “Saubere Umwelt“ ein und damit auch für ein funktionierendes Mehrwegsystem in Deutschland.

Aufgrund ihrer kurzen Transportwege und dem hohen Qualitätsanspruch an ihre Bierspezialitäten ist Glasmehrweg die einzig richtige Lösung im Bereich umweltverträglicher Getränkeverpackungen und sichert gleichzeitig stabile Wirtschaftsstrukturen vor Ort. Darin sind sich die Gesellschafter der regional aufgestellten Mitgliedsbrauereien einig. Sie unterzeichneten kürzlich ein Positionspapier, in dem sie sich offiziell zur Unterstützung des deutschen Mehrwegsystems und der bestehenden Mehrweg-Aktionen branchenverwandter Verbände bekennen.

“Das Thema Mehrweg betrifft uns alle“, erklärt Jürgen Keipp, Geschäftsführer der Freien Brauer. “Doch leider hat die zähe Preisdiskussion über den Einweg- und Mehrweg-Pfand eine tief sitzende Verwirrung bei den Verbrauchern hervorgerufen, hinter der die weit wichtigeren Aspekte Qualität und Umweltverträglichkeit zurückstecken.“

“Das deutsche Mehrwegsystem ist eine maßgebliche Klimaschutzkomponente und Existenzgrundlage mittelständischer Strukturen, die es dringend zu bewahren gilt“, unterstreicht Georg Schneider, Präsident der Freien Brauer. “Es ist uns als Verbund wichtig, diese Überzeugung öffentlich zu vertreten und die Initiativen zu unterstützen, die sich seit Jahren tatkräftig für das Thema stark machen.“

Stellvertretend für die Mitgliedsbrauereien der Freien Brauer unterzeichneten Keipp und Schneider im Juni 2011 in München ein offizielles Positionspapier, das folgende Punkte umfasst: Aus ihrem Wert “Saubere Umwelt“ heraus bekennen sich Die Freien Brauer zur Förderung des Mehrwegsystems in Deutschland und unterstützen die aktuell laufenden Aktivitäten von Verbänden zur Förderung von Mehrweggetränkeverpackungen, darunter Kampagnen zur Verbraucherinformation und zur politischen Ansprache.

Die Freien Brauer bekennen sich zudem im Sinne ihrer Werte “Persönliche Verantwortung“ und „Gelebte Heimatverbundenheit“ zur Förderung des Mehrwegsystems in Deutschland insbesondere als Existenzsicherung mittelständischer Strukturen und damit zum Erhalt von Arbeitsplätzen.

Die Mitglieder der Freien Brauer werden, vor dem Hintergrund ihrer individuellen Möglichkeiten, die Aktionen in ihrer Region unterstützen, die auf das Ziel einer ökologischen Nachhaltigkeit durch umweltverträgliche Mehrwegverpackungen einzahlen. Hierzu werden sie entsprechend ihrer unternehmerischen Ausrichtung sowohl Hilfestellungen für die Verbraucher und den Getränkefachhandel als auch Botschaften in Richtung Politik sowie Kooperationsgespräche mit relevanten Geschäftspartnern anstreben.

Das allgemeine Bewusstsein um die Bedeutung von umweltverträglichen Getränkeverpackungen und deren Beitrag zum Klimaschutz bei den Verbrauchern in Deutschland zu stärken, ist ein großes Anliegen der Freien Brauer, das jeweils in den Regionen der Mitglieder individuell umgesetzt wird.

Die Mitglieder der Freien Brauer sind im Sinne der nachhaltigen Ressourcenschonung und des daraus resultierenden Klimaschutzes bestrebt, innerhalb ihrer herstellenden Betriebe unnötige Umweltlasten zu reduzieren und ihre Mehrwegquoten, darunter Umlaufzahlen, Gebindearten und Recyclingquoten, langfristig zu stabilisieren.

Gemäß ihrem Wert “Höchste Qualität“ definieren Die Freien Brauer qualitativ hochwertige Getränke auch durch die Komponente einer umweltverträglichen, qualitativ hochwertigen Getränkeverpackung.

Die Freien Brauer fordern ein Ende preistreibender Spekulationen mit Lebensmitteln. Die weltweiten Lebensmittelpreise liegen laut der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in diesem Jahr auf einem Rekordniveau – trotz einer verhältnismäßig gleichbleibenden Rohstoffproduktion. Die Freien Brauer sehen dieses Ungleichgewicht in den zunehmenden Spekulationen mit Agrarrohstoffen begründet, wie der Verbund am Mittwoch mitteilte. “Die 38 Mitglieder des Werteverbunds erkennen darin eine existentielle Bedrohung für mittelständische Unternehmen im Lebensmittelsektor und fordern die Finanzakteure dazu auf, die Waren- und Finanzströme wieder nachvollziehbar und kalkulierbar zu gestalten. Zudem appellieren sie an die Spekulanten auf die Rückbesinnung zu ehrbaren und ethischen Werten, auf die Übernahme von persönlicher Verantwortung gegenüber der globalen Hungersituation und eine stärkere Aufklärung beteiligter Investoren”, so die Mitteilung.

Laut Angaben der Welternährungsorganisation FAO verharren die Preise für Agrarrohstoffe im Juli 2011 auf einem neuen Rekordniveau. Und das, obwohl die Produktionsmengen, beispielsweise bei Getreide, in den letzten Jahren verhältnismäßig gleich geblieben sind. Die Freien Brauer sagen, sie sehen “ethisch verwerfliche Spekulationen mit Lebensmittelrohstoffen als einen wichtigen Faktor dieser Entwicklungen, die mittelständischen Betrieben im Lebensmittelsektor die wirtschaftlichen Planungen massiv erschweren”.

“Ernteausfälle und saisonale Produktionsschwankungen können vorkommen“, räumt Jürgen Keipp, Geschäftsführer der Freien Brauer, ein, “doch dies erklärt nicht die enormen Preissprünge, die zu den geringfügigen Änderungen der Gesamtproduktion in keinem Verhältnis stehen. Dies zeigt uns, dass der Preis für Agrarrohstoffe immer mehr vom Finanzmarkt selbst bestimmt wird, der zunehmend von preistreibenden Spekulationen lebt. Das hat in unseren Augen kaum noch etwas mit dem originären System von Angebot und Nachfrage zu tun.“

Auch Georg Schneider, Präsident der Freien Brauer, ist entrüstet: “Das Spekulieren mit Lebensmittelrohstoffen ist ein schockierender Beweis dafür, in welchem Maße der Respekt gegenüber den natürlichen Ressourcen und einem fairen Umgang mit den Menschen verloren gegangen ist. Die Landwirte und weiterverarbeitenden Betriebe, darunter auch die Brauereien, wissen genau, wie es um die Ernten bestellt ist und können sich darauf einstellen. Was sie nicht kalkulieren können, sind die astronomischen Preissprünge, die unabhängig von saisonalen Erntebedingungen durch Spekulationen künstlich in die Höhe getrieben werden. Dies ist eine ernste Bedrohung für den Mittelstand – ganz abgesehen davon, dass das profitgetriebene Jonglieren mit lebenswichtigen Rohstoffen ein absoluter Skandal für die hungernde Weltbevölkerung ist.“

“Wir fordern“, so Schneider weiter, “dass diese unethische und moralisch zutiefst verwerfliche Geldmacherei endlich ein Ende hat und es wieder nachvollziehbare und faire Waren- und Finanzströme auf dem Markt gibt.“

“Ein paar Spekulationen, wie es sie in den Warenterminmärkten gibt, werden wohl immer notwendig sein, um eine gewisse Preisstabilität zu gewährleisten“, gibt Keipp zu bedenken. “Doch dass knappe Rohstoffe durch Indexfonds dem Markt derart lange entzogen werden, entbehrt jeglicher volkswirtschaftlichen Notwendigkeit und sollte unterlassen werden. In diesem Punkt müssen auch die Öffentlichkeit und insbesondere die Anleger verstärkt darüber aufgeklärt werden, welche Geldanlagen im Finanzmarkt die Rohstoffpreise beeinflussen und wie stark.“

Hintergrund zu Spekulationen

Preisverhandlungen zu Agrarrohstoffen wie Getreide in Form sogenannter Warenterminmärkte bestehen schon seit vielen Jahren. Sie dienen dazu, Landwirten ihre Ernten und Verbrauchern ihre Einkäufe gegen zu große Preisschwankungen abzusichern. Bei der Spekulation gehen Finanzakteure dagegen bewusst ein Risiko ein, indem sie auf steigende oder fallende Preise setzen, um schnelle und beträchtliche Gewinne zu erzielen. Auf den Finanzmärkten wird mit Anleihen, Aktien, Währungen, Derivaten und Rohstoffen gehandelt. Seit Anfang 2000 zeichnet sich ein deutlicher Trend der zunehmenden Spekulation mit Agrarrohstoffen ab, der in der Finanzkrise 2008 ein Hoch erlebte. 2011 ist der Preis für Lebensmittel laut dem Index der Welternährungsorganisation FAO noch einmal drastisch gestiegen. Zu den Finanzspekulanten zählen neben Banken und Hedgefonds auch institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, Staatsfonds und Versicherungen.